Adipositas und Übergewicht nehmen weltweit zu und führen zu bedeutsamen körperlichen Folgeerkrankungen
Adipositas (lat. adeps für ‚Fett’) oder Fettleibigkeit ist eine Ernährungs- und Stoffwechselerkrankung mit starkem Übergewicht, die sich in einer übermässige Zunahme des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen zeigt. Umgangssprachlich nennt man sie deshalb auch Fettsucht. Die häufig verwendete englische Bezeichnung dafür ist obesity.
Übergewicht wird mittels des von der Weltgesundheits-Organisation WHO definierten Body Mass Indexes (BMI) bestimmt. Dieser berechnet sich wie folgt: (Körpergewicht in Kilogramm) geteilt durch (Körpergrösse in Metern)² (also kg/m²). Dabei gilt ein BMI-Wert von 18,5 bis 24 als Normalgewicht. Bei einem BMI zwischen 25 und 29 spricht man von leichtem Übergewicht und ab einem BMI von 30 spricht man von Adipositas, die medizinischen Risiken nehmen zu. Die WHO unterteilt Adipositas in 3 Schweregrade.
Bei Kindern und Jugendlichen erfolgt die Einteilung von Normal-, Übergewicht und Adipositas nach den Perzentilenkurven des BMI. Übergewicht wird mit dem Überschreiten der 90. Perzentile und Adipositas mit dem Überschreiten der 97. Perzentile definiert (Evidenzbasierte S3- Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter, der Deutschen Adipositas im Kindes-und Jugendalter (AGA), der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), 2019.
43% der erwachsenen Bevölkerung mit Übergewicht oder Adipositas (ca. 3.7 Millionen Menschen mit BMI > 25), davon 12% mit Adipositas (ca. 1 Million Menschen mit BMI > 30); rund 15% der Kinder und Jugendlichen sind von Übergewicht oder Adipositas betroffen.
Die Ursache von Adipositas wird zunehmend als Ergebnis eines Zusammenspiels von genetischen Prädispositionen (z.B. FTO-Gen, Fat Mass and Obesity-Associated Gen), Verhaltensweisen, Umweltfaktoren (Ernährungsgewohnheiten, kulturelle/gesellschaftliche Faktoren, Bewegungsmangel) und biologischen Prozessen (Darm-Hirn- Achse, Mikrobiom, Neuroinflammation, Appetit-, Sättigungszentrum im Hypothalamus) verstanden, die den Energiehaushalt und die Fettverteilung im Körper beeinflussen. Ein bahnbrechender Lancet Artikel von Rubino et al. (2025), betont, dass Adipositas nicht nur eine Folge von falscher Ernährung und Bewegungsmangel ist, sondern eine chronische, komplexe Stoffwechselerkrankung, die durch Veränderungen im Stoffwechsel, hormonelle Ungleichgewichte und genetische Prädispositionen bedingt sein kann.
Übergewicht und Adipositas führen vor allem zu metabolischen Erkrankungen, wie Herz Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselerkrankungen Diese Erkrankungen können die Lebenserwartung erheblich beeinträchtigen.
Die häufigsten psychiatrischen Komorbiditäten bei Adipositas umfassen Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Suchtverhalten (z. B. Food Addiction, Alkohol, Drogen, Stimulanzien), ADHS, BPS, Binge Eating Störung, orthorektisches Verhalten, Bulimia Nervosa.
Die Behandlung von Adipositas fokussiert sich auf eine langfristige Veränderung des Lebensstils (Ernährungsumstellung mit Hilfe der Ernährungsberatung, vermehrte körperliche Aktivität). Die psychologische Behandlung der Adipositas spielt eine entscheidende Rolle, da Übergewicht und Adipositas oft nicht nur durch physische, sondern auch durch emotionale, verhaltensbezogene und kognitive Faktoren beeinflusst werden.
Die aktuellen Behandlungsempfehlungen finden Sie unter Leitlinien